Alberto Venzago

Alberto Venzago

ALBERTO VENZAGO

“Ein wahres Bild ist wichtiger als ein schönes Bild.” So fasst der in Zürich ansässige Fotograf und Filmer Alberto Venzago seine Philosophie zusammen. Erst spät, im Alter von 26 Jahren – nach Studium der Heilpädagogik und der Klarinette – fing seine Karriere als Fotograf an. Umso schneller stellte sich der Erfolg des Autodidakten ein: Schon früh erschienen seine Fotoreportagen in Zeitschriften wie Life, The Sunday Times, Stern und Geo. Auch arbeitete er vier Jahre lang bei der Agentur Magnum: Alberto Venzago hat sich als „concerned photographer“ einen Namen gemacht. Seine engagierte Arbeit wurde vielfach preisgekrönt, etwa mit dem Robert Capa Award.

Kaum eine Geschichte war dem Spross einer Intellektuellenfamilie zu gefährlich – weder das organisierte Verbrechen in Japan noch die Revolution im Iran. Doch nach vielen Kriegsreportagen kam die Einsicht: „Ce n’est pas une image juste, c’est juste une image.“

Seine langjährige Erfahrung als Fotojournalist weiss er jedoch auch in weniger gefährlichen Situationen einzusetzen. So springt Alberto Venzago mühelos zwischen Film und Fotografie, Kunst und Kommerz hin und her und kennt dabei keine Berührungsängste: Er setzte etwa die Anti-Rassismus-Kampagne der Schweiz um und dokumentierte Projekte des ABB-Konzerns und der Credit Suisse rund um die Welt. Venzago ist offizieller Fotograf des London Symphony Orchestra, arbeitete für das Boston Symphony Orchestra – und entwarf sogar Handtaschen für das Schweizer Modelabel Navyboot.

Seit etwa zwanzig Jahren ist Alberto Venzago auch als Filmer tätig. „Zuerst musste ich wissen, was ein gutes Bild ausmacht,“ sagt er. „Erst dann fühlte ich mich reif genug, um Filme zu drehen. Und hier schliesst sich der Kreis: Die Musik wird ein immer wiederkehrendes Thema in meiner filmischen Arbeit.“ Als Kameramann etwa hat Alberto Venzago verschiedenen Filmen seine Handschrift verliehen, beispielsweise Trip to Asia (2007), ein Roadmovie mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern (Premiere Berlinale 2007). Im selben Jahr drehte er den Film Mein Bruder, der Dirigent über seinen Bruder Mario.

Im Film Voodoo – Mounted by the Gods (2003) und im gleichnamigen Fotobuch hat Venzago eine zum faszinierenden Thema passende Ästhetik gefunden. Das Buch in ausdrucksvollem Schwarzweiss gewann den Deutschen Fotobuchpreis 2004. Wieder als Kameramann arbeitete das Multitalent an The Invisibles, einem von Javier Bardem produzierten Wim Wenders-Film über den Kongo (Premiere an der Berlinale 2008).

Für seine filmischen Arbeiten hat Alberto Venzago verschiedene internationale Auszeichnungen gewonnen, darunter Gold am New York Filmfestival für die Anti-Rassismus-Kampagne der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie dreimal den EDI (2004, 2007, 2009), den wichtigsten Preis für Werbe-, Industrie- und Unternehmensfilme in der Schweiz. Nebst der ausdrucksvollen Bildsprache ist Venzagos umgängliche Art zweifellos ein wichtiger Erfolgsfaktor: „Ich bin zwar ein einsamer Wolf, aber Filmen ist Teamarbeit: Eine Sinfonie kann man nicht pfeifen,“ stellt er grinsend fest.

Alberto Venzagos neuester Film, Gergiev – A Certain Madness, dokumentiert die Russland-Tournee des Mariinsky Orchesters 2010 und 2011 unter dem Dirigenten Valery Gergiev mit der Transsibirischen Eisenbahn. Der Film feiert am 2. Oktober 2013 am Zürich Filmfestivals seine Premiere.